www.EuroRechner.de

E-Commerce oder wie wir mit dem EuroRechner reich werden ...

Eine leicht ironische (aber leider wahre) Betrachtung des E-Commerce mit einer realistischen Darstellung der Situation im September 2001


Auch wir wollen - wie alle die im Internet tätig sind - reich und berühmt werden, ein angenehmes Leben führen und ohne Arbeit viel Geld verdienen. Bei vielen Unternehmen im Internet scheint das ja auch recht gut zu klappen wenn man den Berichten in der Presse glauben schenken kann. Eine gute Geschäftsidee, ein griffiger Domainname und ein funktionierendes Angebot sind Garant für schnellen Reichtum. 

Alle Faktoren stehen für uns auf Erfolg: Der Domainname ist nicht nur griffig sondern schlicht der beste Name in diesem Bereich. Unser Eurorechner hat mit weitem Abstand das beste Erscheinungsbild aller Eurorechner im Internet und bietet eine weit überdurchschnittliche Funktionalität bei gleichzeitig übersichtlicher und einfacher Bedienung. Durch Schaltung von Werbebannern und Verkauf des Eurorechner sollten die Einnahmen leicht zu sichern sein. Der Preis für die Bannerschaltung auf unserer Top-Domain wurde unterhalb des Preises für eine Mini-Anzeige im lokalen Mitteilungsblatt angesetzt und für die Software zum Download legten wir einen Preis von 4,50 EUR (=8,80 DM) fest. Für eine nagelneue und aktuelle Software eigentlich kein Preis sondern ein Witz. Bei einer guten Leistung für wenig Geld sollte eigentlich der Erfolg nicht auf sich warten lassen. 

Mit diesen Voraussetzungen wären - wenn wir eine AG wären - unsere Aktien sicher schon im Vorfeld in schwindelerregende Höhen gestiegen. Aber leider sind wir ja keine Aktiengesellschaft und so musste auf diese öffentlichkeitswirksame Komponente des Erfolges verzichtet werden.

Schnell steigende Besucherzahlen ab Juli 2001 bestätigen das die Domain richtig konzipiert ist und von den Surfern angenommen wird. Von vielen Besuchern mit MS-Internet-Explorer wird die Seite unter den "Favoriten" abgespeichert wie wir an den häufigen Zugriffen auf die Datei "favicon.ico" sehen können. Für die Verweildauer der Besucher auf der Seite ergibt sich ein ungewöhnlich hoher Wert von über 30 Minuten. Der Eurorechner wird offenbar von vielen Leuten intensiv genutzt. Aus der Statistik erfahren wir auch, über welche Proxiserver bzw. über welche Netzwerke die Besucher kommen. Neben den üblichen Großprovidern (wie z.B. Compuserve, AOL, T-Online und andere) sind sehr viele Zugriffe aus Firmennetzwerken zu verzeichnen. Die Liste liest sich wie ein Who-is-who von bekannten Banken und Großfirmen, erstaunlicherweise nicht nur aus Deutschland. Wesentlich geringere Benutzerzahlen an den Wochenenden zeigen, daß die Nutzung des EuroRechners hauptsächlich geschäftlich erfolgt. Dies sollte sich positiv auf den Erfolg der bei uns geschalteten Banner niederschlagen, da diese ein ausgesuchtes Publikum finden und nicht nur wenige Sekunden sondern oftmals über eine halbe Stunde im Blickfeld der Surfer bleiben. 


Geld verdienen ohne Arbeit ...

Das mit dem "ohne Arbeit" hat natürlich nicht geklappt, denn bevor überhaupt irgend etwas passierte musste natürlich erst einmal der EuroRechner programmiert werden. Um das Programm in Java (für das Internet) und in Delphi (für die Downloadversion) identisch zu programmieren mußten ca. 3 Wochen Programmierarbeit aufgewendet werden. Fast eine weitere Woche wurde für administrativen Aufwand und die Gestaltung und Onlineschaltung der Seite benötigt. Alleine fast 2 Wochen wurden benötigt um die Hintergrundgrafik mit der Landkarte zu programmieren. Damit die Besucher des EuroRechner möglichst kurze Ladezeiten haben wurde nämlich nicht ein Hintergrundbild eingesetzt sondern die ganze Landkarte als Vektorgrafik von Hand programmiert. Nur durch diese Aufwendige Maßnahme konnte die Größe des EuroRechner auf weniger als 35 KB gebracht werden.

Nachdem alles fertig war stellte sich dann noch heraus, das auch der laufende Betrieb mit ständiger Arbeit verbunden ist. Arbeit für die man natürlich kein Geld bekommt - welcher Schreiber eines Leserbriefes zahlt uns schon etwas für die Beantwortung seines Briefes? Aber können wir Leserbriefe die unserem Programm unterstellen falsch zu rechnen einfach unbeantwortet lassen wie die meisten anderen Leserbriefe? Nein - sicher nicht (siehe auch Leserbriefe)!

Dazu kommen dann noch laufend Angebote von Domainhändlern die uns zur "Abrundung" unseres Angebotes weitere ähnliche Domains (in der Art wie "EuroRechner.xyz" oder "EuroUmstellungJahrSoundso.irgendwas") zu exorbitanten Preisen verkaufen wollen und die wir natürlich absagen müssen. Auch wieder ein Haufen Arbeit für umsonst.

Die gesamte Arbeit bisher:  4 Wochen + x (wobei x die große Unbekannte ist)


Geld verdienen durch Werbebanner ...

Seit Juni 2001 versuchen wir ständig Werbebanner auf der EuroRechner-Startseite selber anzubieten. Zum Preis von 99 Euro im Monat zzgl. MwSt. sind die Banner eigentlich fast umsonst für die Startseite einer Topdomain mit ausgesuchtem Publikum. Im Juni 2001 hätte sich daraus ein Preis von ca. 20 Euro pro 1000 Bannereinblendungen ergeben. Es meldeten sich zwar 3 oder 4 Interessenten, die sich jedoch dann nicht zu einer Schaltung entschließen konnten. Von ein paar Leuten erhielten wir e-Mails in denen uns überzogene Preise für die Bannerschaltung vorgeworfen wurden. Derzeit ist das Angebot für die Bannerschaltung attraktiver denn je, es würde sich ein Preis von ca. 5 Euro pro 1000 Einblendungen ergeben. Aber auch zu diesem Preis hat sich bis jetzt (30.09.2001) noch kein Bannerwerbungskunde gefunden ...

Die gesamten Einnahmen in diesem Bereich bisher:  EUR 0,00 (=DEM 0,00) :-(


Geld verdienen durch Affilliate Marketing ...

Auf einer Messe erhielt ich Werbematerial von einem Unternehmen welches schon im Namen eine Verdopplung des Handels versprach. Dieses Unternehmen hatte sich "Affiliate Marketing" auf die Fahnen geschrieben. In der Praxis bedeutete dies, daß die Firma Schaltungen von Werbebannern vermittelte, die jedoch mit den potentiellen Interessen der Seitenbesucher abgeglichen sein sollten oder die irgendwie mit redaktionellen Inhalten verwoben werden sollten. Hierdurch sollte sich für die Werbetreibenden ein höherer Erfolg ergeben. Das System hörte sich gut an. Da der EuroRechner hauptsächlich geschäftliche Besucher anlockte bot es sich geradezu an hier Werbebanner zu schalten für Angebote die für diese Benutzergruppe interessant sind. Von diesem Unternehmen würden wir immer dann eine Provision erhalten, wenn ein Benutzer auf den Banner klickt und das beworbene Angebot besucht. Laut Vertrag müsse das werbende Unternehmen jedoch zuvor der Schaltung von Werbung auf unserer Domain zustimmen damit wir eine Provision erhalten können. Wir wählen also mehrere Werbetreibende aus und lasen dann die jeweiligen Hinweise zu der speziellen Aktion. 

Bei allen gewählten Angeboten wurden wir angewiesen "Zögern Sie nicht! Fügen Sie den gewünschten Link sofort ein, und lassen Sie sich keinen Pfennig entgehen. Noch nie haben Sie so schnell und einfach Geld verdient." Das taten wir dann Anfang Mai 2001 dann auch sofort - welcher Schwabe (ja wir sind im Schwabenland) lässt sich schon einen Pfennig entgehen oder gar mehrere?!

Folgende 4 Banner schalteten wir dann nach und nach auf der Seite online (Banner sind nicht anklickbar und dienen nur der Visualisierung): 

In der zur Verfügung gestellten Statistik konnten wir dann sehen wie sich langsam Provision auf unserem Konto ansammelte. Bei damals noch nicht einmal 100 Besuchern täglich hatten fast 4% der Besucher auf eines der Banner geklickt. Ein ungewöhnlich guter Erfolg. Üblich sind bei herkömmlichen Bannerschaltungen bestenfalls Klickraten von 0,5 bis 2%. Innerhalb von ungefähr 2 Wochen waren fast 15 Euro Provision zusammengekommen. 

Zu unserer Überraschung genehmigten dann alle 4 Unternehmen die Schaltung ihrer Banner auf unserer Seite nicht. Die vor Genehmigung zugeteilte Provision verfiel daraufhin gemäß den Bestimmungen des Vertrages mit dem Affiliate-Marketing-Unternehmen. 

Nachdem die Werbebanner somit bis zu tausend mal kostenlos eingeblendet waren stellten wir diese Art von Werbung dann natürlich sofort ein. 

Die gesamten Einnahmen in diesem Bereich bisher:  EUR 0,00 (=DEM 0,00). :-(


Geld verdienen durch Softwareverkäufe ...

Ab Juni hatten wir dann den EuroRechner für Windows zum Download im Angebot. Damit wir den Preis von 4,50 EUR für den Download berechnen können nutzen wir die Leistungen des Zahlungssystemes Klick & Buy von Firstgate (www.firstgate.de). Dieses Unternehmen wickelt für Anbieter von Internet-Inhalten das Inkasso beim Kunden ab. Der Kunde muß dort jedoch persönliche Daten und Bankverbindung angeben, damit die Zahlungen abgewickelt werden können. Technisch funktioniert die Sache wunderbar (Lob an Firstgate!). 

Verkaufsstatistik EuroRechner-Downloads 06/2001 07/2001 08/2001 09/2001
Anzahl der Besucher, die sich über dem Download informieren und vermutlich am Produkt interessiert sind. Die Besucher wissen bereits den Preis bevor Sie hier gezählt werden. 49 424 536 603
Anzahl der tatsächlichen kostenpflichtigen Downloads  4 4 4 4
Netto-Ertrag EUR (nach Abzug der Grundgebühr und Provision für das Firstgate-Zahlungssystem) 5,80 5,80 4,00 5,80

Wie man sieht interessieren sich eine große Zahl von Besuchern für das Produkt. Auch der Preis von 4,50 EUR konnte die Besucher nicht abschrecken, jedoch ist offenbar praktisch niemand bereit ein Geschäft im Internet dann auch abzuschließen, selbst wenn das Produkt für ihn interessant ist und der Preis bereits akzeptiert wurde. Es ist enttäuschend, das sich nicht mal 1% der konkreten Produktinteressenten zum tatsächlichen Kauf entschließen können. Besonders auffällig ist das trotz stark ansteigender Interessentenzahlen in jedem Monat genau 4 kostenpflichtige Downloads an den Mann (bzw. die Frau) gebracht werden konnten.

Der gesamte Ertrag in diesem Bereich bisher:  EUR 21,40 (=DEM 41,85). :-)
Nebenbei bemerkt, davon kassiert das Finanzamt auch noch EUR 2,95 (=DEM 5,77) Mehrwertsteuer.
:-(


Geld verdienen durch Kooperationsgeschäfte ...

Im August kontaktierte uns ein sehr freundlicher Herr Krause von der Firma internet*******.de AG um mir ein Kooperationsgeschäft vorzuschlagen, "eines bei dem Geld verdient wird",  und bat um Rückruf. Sein Unternehmen betreibe die Internetplatformen Free******.de und ******Quiz.de. Bei den folgenden Gesprächen erfuhr ich dann, das es sich um die Schaltung von Werbebannern handelt, die Besucher auf diese beiden Domains leiten sollen. Für den Fall, das die Besucher sich dort anmelden bzw. an einer Umfrage oder einem Gewinnspiel teilnehmen wurde eine Provision in Aussicht gestellt. Er erklärte mir dann noch das "Geld verdienen richtig Spaß macht". Kaum zu glauben!

So wurde zum September ein Vertrag abgeschlossen, der uns verpflichtete Werbebanner für diese Domains auf unserer EuroRechner-Domain anzubringen. 

Die Banner waren dann den ganzen September auf der Hauptseite online und wurden vermutlich jeweils fast 20.000 mal eingeblendet (Laut Serverstatistik wurden 19.937 Pageviews der Seite erreicht auf der die Banner enthalten sind). Leider konnte sich bis heute keiner unserer Besucher entschließen sich bei den genannten Domains anzumelden oder an einer der Umfragen bzw. Gewinnspiele teilzunehmen - jedenfalls laut der von internet*******.de AG gemachten Angaben. Im übrigen wurde auch die von uns durchgeführte Testanmeldung nicht gezählt (war vielleicht der Zähler kaputt?). Hieraus ergab sich dann für uns eine Provision von 0,00 EUR (=0,00 DEM). 

Aus diesem Grund mussten die Banner von der Startseite der Domain wieder verschwinden da wir ja die besten Werbeplätze nicht für gar nix anbieten können. Da wir jedoch durch den Vertrag verpflichtet waren die Banner bis zum 31.12.2001 auf der Domain einzublenden waren diese dann noch eine Zeit lang auf dieser Seite hierzu sehen.

Die gesamten Einnahmen in diesem Bereich bisher:  EUR 0,00 (=DEM 0,00). :-(


Ohne es geplant zu haben Wohltäter der Menschheit ...

... oder zumindest Wohltäter der Banken und Unternehmen die für eine hervorragende Dienstleistung weder direkt noch indirekt etwas bezahlen. Hoffentlich haben wir hier - wenn wir schon nichts verdienen - wenigstens etwas Gutes getan für unsere Wirtschaft, unseren Staat und die Bürger unserer Republik. Vielleicht profitieren auch noch ein paar weitere EU-Bürger. Auf jeden Fall haben einige Werbetreibende bzw. Werbung vermittelnde Unternehmen schon jetzt von unserer Arbeit profitiert durch faktisch kostenlose Schaltung ihrer Banner! 


Und die Moral von der Geschicht ...

... prüfe dreimal und noch öfters wenn einer vorgibt im Internet Geld zu verdienen oder gar Dir dasselbe ermöglichen will. Die Erfahrungen mit unserer Domain EuroRechner.de dürften nicht die Ausnahme sein sondern sind wohl symptomatisch für das Internet. Leider. Bei der nächsten Euro-Umstellung wird es keinen solchen schönen und für die Benutzer kostenlosen EuroRechner mehr geben. Jedenfalls nicht von uns.


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